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212-10111 »… Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht...«

Erlebter Antisemitismus

Beginn: Do, 11.11., 19:00-20:30 Uhr, Weltethos Institut, Hintere Grabengasse 26
Kursleitung: Rainer René Mueller

Es gibt nicht eben viele, die mit vergleichbarer biografischer Verstrickung Zeugnis geben können vom ressentiment, vom antijüdischen Reflex in seinen zahlreichen alltäglichen, wiederkehrenden Erscheinungsformen.

Über die mütterliche Linie jüdisch, mit einer Großmutter aus Czernowitz, und – ja – einem Stiefvater, der als SS-Mann und Mitglied der Einsatzgruppen 1941 an Massakern in der Ukraine beteiligt war, habe ich in meiner Erlebenslinie, die auch eine Überlebenslinie war, von früh an alle diese Formen erfahren, die ich hier im Andenken an Jean Améry, den ich kennenlernte, wenige Wochen vor seinem Freitod, das ressentiment nennen will.

In seiner Rede anläßlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2007 verzichtete Saul Friedländer auf die erneute Wiedergabe und das erneute Bedenken dessen, was jedermann schon immer weiß, und sprach nur von seinen Lebensbezeugungen.

Was jedermann schon immer weiß : alle historischen Zeugnisse liegen vor, sind bekannt, keiner kann sich dem in vorgeblicher Unkenntnis entziehen. Also will ich von dem sprechen, was mir widerfährt, – ja, dies Wort im Präsens als Präsenz – seit der doch gegebenen frühen Bewußtheit eines siebenjährigen Buben, der 1956 im Kinderhort der Arbeiter Wohlfahrt in Heidelberg gesagt bekommt : ihr gehört alle vergast.

Und der sich von einem Polizisten, auch in Heidelberg, noch vor kurzem sagen lassen muß, mit Hinzeigen auf die getragene Kippa: »Sie erregen öffentliches Ärgernis, wenn Sie so gehen.«

Zwischen 1956 und heute liegen Jahre und keines ist vergangen ohne die Erfahrung des ressentiment.

Es wird die Rede auch sein von legacy und heritage in Jewish Literature heute, vom bedenkenswerten Wort »desintegriert euch«, von der Begrifflichkeit Simone Weils, der écarnation, und der Vergeblichkeit der Emanzipation.

Rainer René Mueller, geb. 1949 in Würzburg, lebt heute in Heidelberg und Harbouey (Lothringen).
Langjährige Tätigkeit als Literatur- und Kunstkritiker sowie als Kurator zeitgenössischer Kunst, u. a. als Leiter der Städtischen Galerie Schwäbisch Hall und als Gründungsdirektor des Kunstmuseums Heidenheim.

Ein Veranstaltung in der Reihe: "Jüdische Lebensentwürfe in Deutschland“, gefördert durch #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland e.V. aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

Kursort: Weltethos Institut, Hintere Grabengasse 26







Termine

Datum
Do., 11.11.2021
Uhrzeit
19:00 - 20:30 Uhr
Ort
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Dr. Patricia Ober

Patricia Ober
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