EMIL denkt...


über den Sommer nach!

Ist Ihnen das schon mal aufgefallen? Von Oktober bis Mai freuen sich die Leute auf den Sommer. Dann ist er da. Und was passiert?

Er passt den Leuten nicht. Mal ist er ihnen zu heiß, mal zu kalt, mal zu trocken, mal zu verregnet. Was mich aber wundert: Sobald er vorbei ist, fängt die Vorfreude auf den nächsten Sommer an. Warum freuen die sich auf etwas, was ihnen dann doch nicht gefällt? Und er gefällt ihnen ja so wenig, dass die meisten vor ihm zwei drei Wochen in andere Länder fliehen. Urlaub nennen sie das.

Mir als Fahrrad ist das mit den Jahreszeiten nicht so wichtig. Naja, zugegeben, ich mag es nicht so gerne, wenn es dauernd nass ist. Tut meinen Bestandteilen nicht gut. Als Kind habe ich mich immer gewundert, warum die älteren Fahrräder gejammert haben, wenn es mal ein paar Wochen am Stück geregnet hat. Wegen der paar kleinen Rostflecken, die sie sich geholt haben! Zimperlich sind die, dachte ich mir damals.  Aber in meinem Alter muss man schon drauf achten, dass man nicht nur noch aus Ersatzteilen zusammengesetzt ist. Bei den Menschen ist es ja nicht anders. Die machen dann Gymnastik und achten aufs Essen, aber um künstliche Hüften, Kniegelenke oder Zähne kommen selbst die ganz Gesundheitsbewussten kaum herum, hab ich mir sagen lassen. Wir Fahrräder sind ab einem gewissen Alter schon auch darauf angewiesen, dass uns jemand gut unterbringt, ausreichend bewegt und immer mal wieder ölt.

Wenn es trocken und heiß ist, leiden bei mir höchstens die Reifen. Auch nicht angenehm, aber dass einem hin und wieder die Radschläuche und –mäntel gewechselt werden, daran ist man als Fahrrad gewöhnt. Während ein neuer Lenker nach einem Sturz im Winter schon den Charakter verändern kann. Oder gar ein neues Getriebe!  Das ist ja sozusagen mein Herzstück.

Aber um auf den Sommer zurückzukommen: meiner Meinung nach wird der emotional völlig überschätzt von den Menschen. Jedenfalls dachte ich das bis gestern. Da bin ich mit einem Fahrradkumpel vor der vhs ins Gespräch darüber gekommen. Der meinte: „Mensch, Emil, es geht doch nicht nur ums Wetter beim Sommer. Es geht darum, dass das die geselligste Zeit im Jahr ist. Da gehen die Menschen raus, treffen sich mit anderen, lernen neue Leute kennen. Und es ist ja nicht so, als ob sie uns Fahrräder nicht mitnehmen würden. Das ist doch auch für uns die kommunikativste Zeit. Was hab ich schon für nette Fahrräder am Ständer kennengelernt, während mein Fahrer im Biergarten saß. Dich hab ich jetzt doch auch nur kennengelernt, weil ich hier abgestellt worden bin.“

Ich hab da jetzt mal darüber geschlafen und muss sagen: Wo er recht hat, hat er recht! Der Sommer hat wirklich Vorzüge, die sonst keine Jahreszeit hat. Deshalb wünsche ich allen einen schönen Sommer! Auch wenn er ihnen nicht wirklich passt!

 


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